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May 12, 2005

Comments

Arthur

Falls dieser Staat seine Bürger als Kunden betrachten würde, dann hätte er nach den zwei Pisa-Debakeln schleunigst eine detaillierte Analyse vorgelegt und eine Roadmap zur Verbesserung. Tut er aber nicht, weil er denkt, die Bürger hätten ja keine Alternative. Nur, die die gehen können, tun’s. Steuerhinterziehung, Osterreicher werden oder mindestens Rückzug in den privaten Bereich inkl. Privatschule.

Zur Bildungsmisere – in Kürze meine Analyse und nach dem „=>“ Lösungsoptionen
- Beamtenrecht (Lehrer!) gibt keinen bzw. zu wenig Durchgriff => Praxis der Verbeamtung bzw. Verfassung ändern.
- Mirgation spült sgn. bildungsferne Schichten in die Schulen => Migrationskriterien deutlich schärfen, Sozialleistungen als Incentivierung nutzen, Sanktionen (auch für Eltern der Zöglinge) aufbauen
- Natur- und ingenieurwissenschaftl. Ausbildung allg. ist mangelhaft, u.a. durch die Verbreitung der sogn. Kritische Theorie und ihre Protagonisten in Medien, Erziehung und Verwaltungsbürokratie => bessere Ausbildung der Lehrer, massive Zurückdrängung der o.g. Geisteshaltung (z.B. Schließen der offentl. rechtl. Medienanstalten)
- Wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung geniest zu geringe Reputation => hier bin ich ratlos, wie sagte der Spiegel: Der Neandertaler ist untergegangen, weil er keinen Tauschhandel zu treiben in der Lage war.

Also, dann mal viel Glück mit Ihren Deutschen, ich bin Realist genug zu sehen, dass kaum eine der Maßnahmen – anders als in Dänemark – ein Chance auf Realisierung hat.

David

@Arthur,

Zwei Fragen:
1) Was hat die sogn. Kritische Theorie mit der mangelhaften naturwissenschaftl. Ausbildung zu tun? Wir haben naemlich das gleiche Problem mit der wissensch. Ausbildung (oder noch schlimmer) aber Krit. Theorie ist bei uns kein Thema. Vielleicht gibt es andere kulturelle Gruende dafuer?
2) Wie haben die Daenen es besser gemacht?

Arthur

Die Industrie- und Innovationsfeindlichkeit der Deutschen hatte ihren ersten breitenwirksamen Kristallisationspunkt durch die Werke der Köpfe der sog. Frankfurter Schule. Adornos Preisung des Landlebens – gegenüber der Existenz als massenindustrialisiertes Individuum – erscheint uns heute nach 20 J. Grüner Partei nichts ungewöhnliches, etwas verspinnert möglicherweise. Aber hier fängt der Unsinn an, der über radikale Ablehnung der Gentechnik bis zur Unterbesetzung naturwissenschaftlicher Fächer an Schulen reicht.

Fairerweise muss man natürlich sagen, dass vieles der Frankfurter Schule unter dem Eindruck des gerade mit Hilfe der Alliierten besiegten Faschismus produziert worden ist – und auch die sogn. nicht aufgearbeitete braune Vergangenheit der deutschen Eliten sicherlich hier historisch rechtfertigend zu nennen ist. Aber das kann nicht für jeden Unsinn herhalten.

Was machen die Skandinavier, und insb. die Dänen besser? Interessant: es bilden sich in unserem Kontext drei Gesellschaftsmodelle heraus:
1. Leistungsfähige Sozialstaatmodelle in Skandinavien mit durchaus erwähnenswerten Wachstumstreibern (Öl in Norwegen, Nokia in Finnland, etc.),
2. die Angelsächsischen Modelle mit schwachem Sozialstaat hoher Leistungsfähigkeit, ausgeprägter Absorptionsfähigkeit von Migranten sowie
3. Kontinentaleuropa mit D, Fr, Benelux mit Wachstumsproblemen, Migrantenproblemen, einem ausgeprägten rechtsnationalen Parteienrand sowie einem (mehr oder minder) kreditfinanzierten Sozialstaat. Über die Zukunftsfähigkeit des dritten Modells kann man spekulieren.

Die Entwicklungsfähigkeit von Gesellschaftsmodellen von 3 nach 1 ist sicher möglich, vermutlich ist es aber dazu zu spät, da kurz vor dem Staatsbankrott. Zumindest gehört eine ausgeprägte (regionale/nationale) Identität dazu, die in Deutschland aus historischen Gründen als Ganzes wenig ausgeprägt, aber sehr wohl in Bayern, Sachsen und B-Würtb. vorhanden ist. Daher sehe diese Regionen in einem Europa der Regionen als durchaus zukunftsfähig.

Zurück zur Bildung – was kann man besser machen: kurzgefasst:
- Migrationspolitik erscheint mir in Dänemark deutlich konsistenter, höherer Integrationsdruck, massive incentivierung bzw, Sanktionen (Sozialhilfe gegen Kommunale Services )
- Lehrer und Kinder fördern statt Kohle und Kranke und Faule
- Pragmatischer Umgang mit dem Thema Bildung und Eliten (die Parteienkämpfe in dieser Hinsicht kann es wirklich nur im Land der Dichter, Denker und Dogmatiker geben)
- Anschaulicher naturwissenschtl. Unterricht
- Klare Message an die Zöglinge: Wenn Du Mathe kannst, dann kannst Du studieren und gut Geld verdienen, wenn nicht, dann wirst Du as Sozialpädagoge Taxi fahren
- Zukunftsoptimismus statt Öko-Pessimismus

PS: die o.g. Regionen in Deutschland sind übrigens auch in Sachen Bildung eindeutig besser positioniert.

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